Stellenbeschreibungen und Qualitätsmanagement

Ein systematisches Qualitätsmanagement – egal ob nach DIN EN ISO 9000 oder nach einer anderen Norm – will und kann nur eines erreichen: Das Sicherstellen von beherrschten Prozessen in der Organisation. Dies meint, dass nur das passiert, was auch passieren soll und dass es nur so passiert, wie es passieren soll. Ein solcher Zustand ist in der Praxis nur erreichbar, wenn jeder im Unternehmen weiß, welches sein Part ist, welche Ziele, Aufgaben, Befugnisse und Verantwortung er hat. Auch muss geklärt sein, wer wem Anweisungen in welchen Angelegenheiten geben darf und geben muss, wie die Stellvertretung für den Fall geregelt ist, dass eine Stelle vorübergehend vakant ist. Ein geordnetes Qualitätsmanagement ist demnach ohne Stellenbeschreibungen nicht denkbar.

Interessanterweise erwähnt die ISO 9000, die ja ursprünglich aus der Feder englischer Bürokraten stammt, an keiner Stelle diesen Begriff, deutet aber an mehreren Stellen auf die Notwendigkeit von Regelungen hin, die wir in ihrer Gesamtheit unter dem Begriff "Stellenbeschreibung" zusammenfassen. Folgerichtig verlangen so gut wie alle Auditoren im Zusammenhang mit der Zertifizierung des Qualitätsmanagement-Systems eines Unternehmens Stellenbeschreibungen, auch wenn es ganz offensichtlich bei den Auditoren weder ein einheitliches noch ein ausreichendes Verständnis von diesem wichtigen Instrument zu geben scheint. Anders kann man sich die Unterschiede bei den "Stellenbeschreibungen" zertifizierter Unternehmen nicht erklären.

Aus eigener Anschauung kann der Verfasser versichern, dass leider in sehr vielen Fällen, in denen "Stellenbeschreibungen" zum Zwecke der Zertifizierung erstellt worden sind, diese Papiere weit von dem entfernt sind, was wir unter diesem Begriff verstehen wollen. Auf eine ärgerliche Unklarheit des DIN EN ISO 9000-Komplexes sei hier besonders hingewiesen: Dem Element "Verantwortung der obersten Leitung" ist zu entnehmen, dass die Verantwortung für die Qualität letztlich bei der "obersten Leitung" zu finden ist. Eine irreführende Aussage! Natürlich gilt dies im Außenverhältnis, aber eben nur hier. Im Innenverhältnis kann nur gelten, dass jeder, der auf die Qualität in irgendeiner Form Einfluss nehmen kann oder hätte nehmen können, für das, was er tut oder zu tun unterlässt, die Verantwortung trägt. Klare Verantwortung setzt aber immer klare Befugnisse voraus, und die stehen idealerweise in einer gut gemachten Stellenbeschreibung.

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